Wertvolle Begegnungen

Flüchtlinge und Spätaussiedler treffen bei einem Seminar der KEFB Bielefeld aufeinander

Einen interessanten Austausch über Werte gab es bei einem Treffen von Spätaussiedlern und Flüchtlingen. Foto: KEFB

 

Detmold. Flüchtlinge und Spätaussiedler hat die Katholische Erwachsenen- und Familienbildung (KEFB) Bielefeld zusammengebracht. Bei einem Familienseminar für Zuwandererfamilien stand das Thema Werte und Wertvorstellungen im Mittelpunkt. Dabei ging es nicht nur um religiöse Werte, sondern auch um gesellschaftliche Werte.

„Wenn Menschen aus aller Welt plötzlich miteinander sprechen, entsteht ein wertvoller Beitrag zu gegenseitigem Verständnis und Frieden“, erklärt der Leiter der KEFB, Stephan Polle. Das Seminar fand in der Jugendbildungsstätte Kupferberg in Detmold statt und wurde ­neben der KEFB vom ­St.-Hedwigs-­Haus Oerlinghausen organisiert. 
Die Hälfte der teilnehmenden Familien waren in den Neunzigerjahren eingereiste, russlanddeutsche Zuwanderer in der ersten, zweiten oder dritten Generation, die andere Hälfte waren Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, die erst in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind. Alle Teilnehmenden – egal welcher Herkunft, Kultur oder Religion – hatten also einen Migrationshintergrund und setzten sich mit den in Deutschland vorherrschenden Werten im Vergleich zu den persönlichen Werten und denen ihrer ersten Heimat ausei­nander.
 
So kamen bei dem Seminar unter dem Titel „Wertvoll“ insgesamt 30 Erwachsene und 35 Kinder miteinander in Kontakt und ins Gespräch. Die in drei Altersklassen aufgeteilten Kinder hatten über das gesamte Wochenende ihr eigenes Programm in ihren „Kids-Treffs“. Ob Lego Duplo bauen, Flugzeuge basteln, Hütten im Wald erstellen oder Streetdance: Die Kinder hatten viel Spaß und spielten unkompliziert, friedlich und ohne jegliche Vorurteile mitei­nander.
Für die Erwachsenen ging es zunächst um ein erstes Kennenlernen und eine spielerische Annäherung an das Thema „Werte“. Dabei standen die vorherrschenden Werte und Grundsätze in der eigenen Familienstruktur im Vordergrund. Beim Thema „Geschlechter-Rollenverteilung“ hörte man neben einem „Den Abwasch mache immer ich“ auch Aussagen wie: „Mein Mann war in Afghanistan schon freundlich und ist hier auch freundlich. Wir gehen in Deutschland zusammen schwimmen. Das ging früher nicht.“
 
Beim Themenblock „Demokratische Wertvorstellungen“ gab es keinen theoretischen Vortrag über das deutsche Grundgesetz, sondern die Teilnehmer wurden in gemischten Gruppen, Russlanddeutsche und Flüchtlinge, stark gefordert: Sie sollten nämlich „ihren eigenen kleinen Staat“ entwerfen. Dazu hatten sie lediglich Eddings und Plakate. Trotz der teils fehlenden Deutschkenntnisse einigte man sich in den Kleingruppen darauf, dass es ein demokratischer Staat sein soll. Aber wie setzt man das um? Ziemlich schnell war auch klar, dass es irgendwie einen Chef geben müsse. Aber wer (er)wählt ihn und wer hat die Macht? Einige Antworten wurden gefunden.
 
Der zweite Teil des Seminars befasste sich mit den religiösen Werten aus den beiden großen Religionsgemeinschaften Islam und Christentum. Dabei ging es neben den Basisinforma­tionen auch viel um das Praktische: Die Teilnehmer zeigten sich gegenseitig die gängigen und persönlichen Gebetshaltungen. Gesänge aus beiden Religionen wurden gehört, Rosenkranz und Gebetskette machten die Runde.
In der ruhigen und angenehmen Atmosphäre des „Raumes der Stille“ durfte vertrauensvoll auch alles einfach so gefragt werden: So fragten sich Muslime und Christen gegenseitig das ein oder andere „Loch in den Bauch“, immer moderiert von der interreligiösen Dialogbegleiterin. Und so wich das ein oder andere Vorurteil, und so manch ein „Aha-Erlebnis“ war in den Augen und den Aussagen der Teilnehmer zu erkennen. „Bei uns heißt Maria einfach Maryam, das ist doch die Mutter Jesu. Wie bei euch.“
 
Am Ende gaben die Semi­narteilnehmer im Rückblick ein überaus gutes Feedback zur Wochenendveranstaltung. Das Pilotprojekt „Wertvoll“ wurde aufgrund seiner innovativen Konzeption von der Stiftung „Bildung ist Zukunft“ des Erzbistums Paderborn finanziell unterstützt.
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