Soziales Handeln verbindet

Erzbischof Becker betont Bedeutung des christlich-islamischen Dialogs

Empfang der Dialogpartner im christlich-islamischen Dialog aus den fünf katholischen (Erz-)Bistümern in NRW in der Kommende Dortmund (v.l.):Emin Özel, Rat der Muslime in Paderborn, Prälat Dr. Peter Klasvogt, Kommendedirektor, Hülya Ceylan, Christlich-Islamische Gesellschaft, Rafet Öztürk, Verband DITIB, Dr. des. Muna Tatari, Universität Paderborn, Erzbischof Hans-Josef Becker, Prof. Dr. Margit Eckholt, Universität Osnabrück und Pastor Dr. Markus Kneer, Ansprechpartner für Fragen des Islam im Erzbistum Paderborn. Foto: Maas

 

Dortmund/Erzbistum. Den Blick weiten – das wünschte sich Erzbischof Hans-Josef Becker vom christlich-islamischen Dialog der Bistümer in NRW. Der diesjährige Empfang mit Beauftragten und Engagierten aus fünf katholischen (Erz)Bistümern war gut besucht – für Erzbischof Becker ein Grund zur Freude. „Sie sind gekommen, um zu unterstreichen, dass der Dialog einen hohen Stellenwert hat.“ Inhaltlich ging es um die christliche und die muslimische Sicht auf die Befreiungstheologie.

Zunächst erinnerte der Erzbischof daran, in welchen Räumen man sich eigentlich befinde. Die Kommende in Dortmund hat eine lange Tradition, war eine Niederlassung des Deutschen Ritterordens. Das sei gerade mit Blick auf den Islam problematisch. „Die Kreuzzüge beeinflussen das Denken noch immer“, gab Becker zu bedenken. Doch an dem Standort wurden auch Kranke gepflegt. Auf diese Tradition müsse man aufbauen. „Uns verbindet das soziale Handeln“, so der Erzbischof.

Zudem markiert das Jahr 2015 einen wichtigen Punkt im Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Islam. Denn das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils jährt sich zum 50. Mal. Und seitdem würden Menschen islamischen Glaubens mit ihrer Selbstbezeichnung „Muslime“ tituliert – ein wichtiger Schritt im Umgang miteinander. Im Anschluss gingen Prof. Dr. Margit Eckholt von der Universität Osnabrück und Dr. des. Muna Tatari (Universität Paderborn) auf die verschiedenen Sichtweisen zum Thema „Befreiungstheologie“ ein.

Prof. Eckholt zitierte aus der jüngst viel beachteten Rede von Papst Franziskus vor dem US-Kongress. Der Papst erinnerte an die vielen Amerikanerinnen und Amerikaner, die von Einwanderern abstammen – und daran, dass durch ungerechte Verteilung von Ressourcen wie Wald oder Land eine Theologie der Befreiung möglich wurde. Sie sei eine Theologie, „die aus den Anfragen der Praxis erwächst“, so Prof. Eckholt. Und weiter: „Sie will denen eine Stimme geben, die keine mehr haben.“ Dabei sei Jesus Christus „als Befreier von jeder Unterdrückung zu sehen“.

Gerade vor den weltweiten Flüchtlingsströmen habe die Befreiungstheologie nichts an Aktualität verloren oder sich gar überlebt. Für Prof. Dr. Margit Eckholt ist sie vielmehr „eine weltweite Option“.

Dr. des. Muna Tatari betonte ebenfalls, dass die islamische Befreiungstheologie „die Praxis in den Vordergrund“ stelle. Eine soziale Befreiung „ist nicht an den Religionen vorbei möglich“. Zudem zitierte Muna Tatari den Grundsatz: „Gott belastet keine Seele über Gebühr.“

Ungerechtigkeiten, Unterdrückung, die der Mensch nicht mehr ertragen kann – dafür sei er eben selbst verantwortlich. Doch darin liege eine große Gefahr für das Seelenheil: „Armut führt zu Unglaube“, so Muna Tataris Warnung.

Autor: Wolfgang Maas

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