„Pflicht“ oder „Tankstelle“ für die Seele?

Liturgiekreis im Pastoralverbund Holzwickede initiierte Fragebogenaktion zum Gottesdienst

Holzwickede (emp). Im vergangenen Jahr startete der Liturgiekreis im Pastoralverbund Holzwickede-Opherdicke eine Umfrage zu den Gottesdiensten. Hintergrund der Fragebogenaktion war, einen Überblick darüber zu bekommen, warum und mit welchen Erwartungen die Gemeindemitglieder heute den Gottesdienst besuchen oder (wieder) besuchen würden. So waren auch Anmerkungen und persönliche Wünsche als Antworten möglich. Insgesamt beteiligten sich 150 Gemeindemitglieder in Liebfrauen. Das Ergebnis der Umfrage wurde jetzt in den Sonntagsgottesdiensten vorgestellt.

Nicht immer sind die Kirchenbänke so gut gefüllt. Foto: Plamper/Archiv

 

„Dem größten Teil der Gläubigen, die den Fragebogen zurückschickten, ist es ein persönliches Bedürfnis, den Gottesdienst zu besuchen“, erläuterte Gemeindereferentin Silke Klute im Vorfeld. Für 84 Prozent der Befragten hat der Sonntagsgottesdienst noch einen besonderen Stellenwert innerhalb der Woche, als eine Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen (72 Prozent) und Kraft für den Alltag zu schöpfen (62 Prozent).

Dabei sind die Erwartungen an die Predigt und die gottesdienstbegleitenden Texte und Lieder, wie die Umfrage ergab, hoch. Die Aussage „Für mich ist es ein guter Gottesdienst, wenn ...“ beendeten über die Hälfte der Befragten mit „… die Predigt gut ist“. Lieder und Texte sollen zudem nicht nur den Verstand erreichen, sondern auch die Seele berühren. Außerdem wünschen sich die Befragten die Berücksichtigung aktueller Themen aus dem Weltgeschehen (40 Prozent). Die Zeit der Begegnung rund um den Gottesdienst schätzen rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer. Als Sonntagspflicht empfinden 21 Prozent der Befragten den Gottesdienst.

Im Blick hat der Liturgiekreis auch, wie gut besonders gestaltete Gottesdienste in der Gemeinde ankommen. Ein Großteil der Umfrageteilnehmer spricht sich für eine besondere Gestaltung während der Adventszeit (54 Prozent), zu Weihnachten/Ostern (49 Prozent) und in der Fastenzeit (28 Prozent) aus. Einen gestalteten Gottesdienst einmal im Monat können sich 33 der 150 Teilnehmer vorstellen. Zu besonderen Anlässen wünschen sich 69 Befragte eine besondere Gestaltung. Da könne es voraussichtlich in Zukunft neben den bereits bestehenden Formen beispielsweise in der Adventszeit Erweiterungen geben, so Klute.

Gleichwohl zeigt die Umfrage aber auch, dass die Teilnahme am Gottesdienst für manchen Christen nicht mehr so relevant ist. Eine Bindung zur Kirche ist zwar vorhanden, aber den christlichen Glauben in der Gemeinschaft zu leben, hat scheinbar im Zuge des gesellschaftlichen Wandels an Bedeutung verloren. 27 Prozent der Befragten ziehen familiäre Unternehmungen einem Besuch des Gottesdienstes vor. Die Gottesdienstzeiten als Hindernisgrund nannten 24 Prozent.

Impulsgebend für die Fragebogenaktion war die seit Jahren rückläufige Zahl der Kirchenbesucher. Der Liturgiekreis stellte sich die Fragen: „Können Gottesdienste in unserer hektischen, unübersichtlichen Zeit etwas anderes, größeres Innermenschliches in den Vordergrund rücken? Oder lässt das geänderte Freizeit- und Wochenendverhalten keinen Raum mehr für Beziehungen zu Religion, Gott und dem Sichtbarwerden in der Gottesdienstgemeinde am Sonntag?“

Im September vergangenen Jahres wurde dann in entsprechend gestalteten Gottesdiensten die Fragebogenaktion zu den Gottesdiensten vorgestellt und später auch noch einmal im Weihnachtsbrief abgedruckt. Die Antworten konnten bis Mitte Januar abgegeben werden.

„Die Gemeindemitglieder selbst zu befragen, war sicher die richtige Idee“, so das Fazit der Mitglieder des Liturgiekreises. Das Ergebnis werde in die zukünftigen Überlegungen zur Gottesdienstgestaltung einfließen. Für die Zukunft wünscht sich der Liturgiekreis auch weitere Rückmeldungen zur Form der Gottesdienste – zum Beispiel direkt nach der heiligen Messe.

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