Modernes Fasten

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Bei einer Feier mit Freunden während der Karnevalstage kamen wir auch auf die Fastenzeit zu sprechen. „Das ist doch altmodisch“, lachte einer. „Das hat man früher mal gemacht.“

Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

 

In der Tat – verzichten ist heute nicht mehr jedermanns Sache. Möglicherweise war es das früher auch nicht. Aber die soziale Kontrolle war größer. Und so verlegte man die Geburtstagsfeier meist auf die Zeit nach Ostern, weil sich ein großes Fest während der Fastenzeit aus christlicher Sicht nicht gehörte.

Auch wenn heute so strenge Regeln nicht mehr eingehalten werden, gibt es doch eine Renaissance des Fastens. Zahlreiche Menschen werden sich der Aktion Autofasten anschließen. Sie verzichten auf jede überflüssige Fahrt mit dem Wagen, gehen zu Fuß, nutzen das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Gerade angesichts des Dieselskandals ist dies nicht nur eine sinnvolle, sondern auch eine aktuelle Maßnahme.

Andere wiederum praktizieren das Handy-Fasten. Sie vermeiden jede überflüssige Nutzung des Mobiltelefons. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man sich selbst nicht mehr von der Digitalisierung tyrannisieren lässt. Auch andere profitieren von diesem Fasten, da sie nicht mit überflüssigen Nachrichten per Handy überschüttet werden. Und vielleicht kommt es statt zu einer Kurznachricht mit dem Mobiltelefon auch wieder einmal zum persönlichen Gespräch.

Möglichkeiten, das Fasten in die heutige Zeit zu übertragen, gibt es – wie die beiden Beispiele zeigen – viele. Fasten kann durchaus auf der Höhe der Zeit sein. Und selbst der traditionelle Verzicht auf Fleisch ist angesichts der Debatten um Klimawandel und Massentierhaltung moderner denn je.

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