Klein gegen Groß

Gedanken zu Mk 9,30-37

Wer vor Gott klein und arm ist, gewinnt gegenüber dem, der sich selbst groß macht.

Kai Pflaume moderiert die Sendung, in der Kinder erstaunliche Talente präsentieren und die Großen manchmal in den Schatten stellen. Foto: ARD

 

von Katharina Mock

In der ARD gibt es eine von Kai Pflaume moderierte Sendung. Die nennt sich „Klein gegen GROSS“. Hier treten Kinder mit besonderen Begabungen gegen Erwachsene an und versuchen, diese auf ganz verschiedenartigen Gebieten – sei es mit speziellem Wissen oder in sportlichen Übungen – zu übertreffen.

Im heutigen Evangelium belehrt Jesus seine Jünger da­rüber, wie er Größe auf dem Hintergrund seiner Lehre vom Reich Gottes interpretiert. Zunächst beginnt alles mit einer Kommunikation, bei der die Jünger keine gute Figur abgeben. Denn sie hören gar nicht darauf, was Jesus ihnen zu sagen hat. Jesus spricht über sein bevorstehendes Leiden, über seinen gewaltsamen Tod und die Überwindung dieses Todes in der Auferstehung. Das geht an den Jüngern jedoch total vorbei. Sie haben anderes zu besprechen. Für sie ist viel bedeutsamer, wer von ihnen das meiste Ansehen genießt, wer der Größte ist und wem deshalb im Reich Gottes die wichtigsten Ministerämter zustehen.

Weil sie nicht auf das hören, was Jesus sagt, sondern mit völlig anderen Dingen beschäftigt sind, können sie auch den Inhalt von Jesu Worten nicht verstehen. Als Jesus merkt, dass sie ihm überhaupt nicht zugehört haben, fängt er sein Gespräch noch einmal ganz von vorne an. Wenn die Jünger schon nicht auf das hören, was er sagt, so will er von ihnen wissen, worüber sie unterwegs miteinander gesprochen haben. Auch wenn seine Worte die Jünger nicht erreichen, ist es für ihn von großer Wichtigkeit, darauf zu hören, was seinen Jüngern am Herzen liegt; denn „… wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6,45).

Als die Jünger schließlich beschämt zugeben, dass sie miteinander darüber gesprochen haben, wer von ihnen der Größte sei, nimmt er diesen Gesprächsfaden seiner Jünger auf, um sie in seiner Belehrung dort abzuholen, wo sie ihr Gespräch beendet hatten. Jesus stellt ein Kind in die Mitte seiner Jünger. So wie in der Sendung „Klein gegen GROSS“ zeigt er auf, dass Kinder in vielen Dingen Erwachsenen überlegen sind.

Kinder zeichnet ihr Urvertrauen, ihre bedingungslose Liebe und Hingabe, ihre Na­ivität in den Erwartungen, ihre Sorglosigkeit, ihre Freude am Lernen und ihre Offenheit für Neues aus. Vielfach haben Erwachsene diese Dinge verlernt.

In seinem Lied „Ich frag mich seit ner Weile schon“ beschreibt der Liedermacher Reinhard Mey einen Spaziergang mit seinem Sohn und an einer Stelle schreibt er dann: „Und atemlos erzählst du von all den Begebenheiten, Gedanken und Geschichten, die dir grad im Kopf rumgehn, übersiehst dabei nichts am Weg und zeigst mir Winzigkeiten, die hab ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehn. Ich frag mich seit ner Weile schon: Wer gibt hier wem eine Lektion? Wer gibt hier wem im Leben Unterricht? Ich glaubte ja bisher, dass ich derjenge welcher wär. Nun seh ich mehr und mehr, ich bin es nicht.“

Klein gegen Groß. Im Reich Gottes zählt nicht das Ansehen der Person, nicht die Leistung, die ein Mensch vorzuweisen hat, sondern allein das Vertrauen, die bedingungslose Liebe, die Offenheit für Gottes gute Schöpfung und die absolute Hingabe, so wie sie Kindern in ihrer Unverdorbenheit und Natürlichkeit zu eigen sind. Ich finde diese Botschaft tröstlich und unendlich befreiend.

Zur Autorin:

Schwester M. Katharina Mock ist Generaloberin der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vincenz von Paul im Mutterhaus in Paderborn.

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