„Essen sein Schatz“

Das Bistum Essen feiert am 11. Oktober seine Patronin

Maria Consuleo – Unsere Liebe Frau vom Guten Rat feierte die katholische Welt bis zum Konzil am 26. April, es gibt in der Nachbarschaft allerdings eine Ausnahme: In Essen feiern sie am 11. Oktober. Maria vom Guten Rat ist die Patronin des Bistums und weil in diesen Tagen guter Rat dringend benötigt ist, blicken wir auf dieses Fest und besonders auf das Bild, in dem die Patronin verehrt wird: die Goldene Madonna oder wie man dort sagt: „Essen sein Schatz“.

2005 trafen sie sich anlässlich einer Tagung: die Goldene Madonna aus Essen (Mitte) mit ihren „jüngeren Schwestern“, der Imad-Madonna aus Paderborn (links) und der Großen Goldenen Madonna aus Hildesheim. Foto: Martin Engelbrecht, Essen

 

von Claudia Auffenberg

Die Goldene Madonna ist eine der frühesten Plastiken des Europäischen Mittelalters und nach Angaben des Bistums das älteste rundplastische Marienbild der Welt. Sie entstand um 980, als eine Enkelin des Kaisers Otto des Großen Äbtissin im dortigen Frauenstift war. Ein Vorgängerbau des heutigen Essener Domes war die Kirche dieses Stifts.

Die Figur zeigt die sitzende Maria, auf ihrem Schoß sitzt ein im Verhältnis etwas zu groß geratener Jesusknabe. Dies aber ist nun keine Fehlleistung des Künstlers, sondern durchaus als theologische Aussage zu verstehen. Hier sind nicht in erster Linie Mutter und Sohn dargestellt, sondern der Erlöser und die ihm dienende Maria, die zugleich sein Thron und Mittlerin zu den Menschen ist. Denn Jesus schaut auf die Kugel in ihrer Hand, sie dagegen schaut den Betrachter an. Was es mit dieser Kugel auf sich hat, ist nicht so eindeutig, wie es scheint. Als erstes fällt einem der Reichsapfel ein, aber der ist in der Regel mit einem Kreuz gekrönt und wird mit der ganzen Hand gehalten, nicht nur mit drei Fingern wie hier. Es könnte ein Apfel sein, der in der Hand der Maria zum Symbol für die Überwindung der Sünde wird. Oder es könnte der mundus sein, der Erdkreis. Wenn das die Absicht des Künstlers gewesen ist, dann war es zur Entstehungszeit eine interessante, politische Aussage. Denn damals war der Onkel der Äbtissin, Otto II., gestorben, sein Sohn erst drei Jahre alt. Ottos Frau und Mutter des Jungen, Theophanu, stritt sich mit dem nächsten männlichen Verwandten darum, wer die Herrschaft namens des Thronfolgers ausüben dürfe. Mithilfe der Kirche setzte sich Theophanu gegen Heinrich den Zänker durch.

Und durch die Jahrhunderte behielt die Goldene Madonna für die Katholiken in Essen eine große Bedeutung. Als man in den 1920er-Jahren eine kommunistische Revolution befürchtete, wurde die Skulptur unter höchster Geheimhaltung versteckt. Der Plan funktionierte so gut, dass bis heute niemand weiß, wer die Figur wo versteckt hat. Im Zweiten Weltkrieg kam sie erneut ins Asyl, zunächst nach Warstein, dann nach Meißen und später nach Siegen, wo sie mit dem Kölner Domschatz den Krieg überdauerte.

Heute steht sie noch immer im Dom, nicht mehr in der Schatzkammer, sondern in einer Seitenkapelle, wo sie von vielen Menschen täglich besucht wird.

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