Ende der Volksparteien

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Seit der Landtagswahl in Bayern wird wieder heftig über die Zukunft der Volksparteien spekuliert. Selbst die Frage, ob wir Volksparteien überhaupt noch brauchen, ist nicht mehr tabu.

Foto: Georg Sander / pixelio.de

 

Fakt ist, dass wir – zumindest zurzeit – in Deutschland keine Volkspartei mehr haben. Die Prozentzahlen, die CDU/CSU oder SPD bei Wahlen oder Umfragen erreichen, sind zu gering.

Dass sich das politische Spektrum weiter aufsplittert, liegt einerseits an den ehemaligen Volksparteien selbst. Ihnen fehlt das charismatische Personal ebenso wie das zündende Programm. Vor allem aber haben die Par­teien keine Visionen mehr, mit denen sie viele Menschen begeistern können.

In der Vergangenheit hat es solche Visionen gegeben, die durchaus auch umstritten waren. Konrad Adenauer wollte Deutschland mit dem „Erbfeind“ Frankreich versöhnen und die Westintegration voranbringen. Willy Brandt strebte die Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn an, um nur zwei Beispiele zu nennen. Heute wissen viele Menschen nicht mehr, wofür die früheren Volksparteien überhaupt noch stehen und worin sie sich unterscheiden.

Ein anderer Grund für den Absturz von SPD und CDU/CSU liegt in der gesellschaftlichen Entwicklung. Der Individualismus schreitet immer weiter voran. Viele Menschen sind eben nicht mehr bereit, sich zu organisieren. Viele sind von früher dominierenden Organisationen enttäuscht und ziehen sich zurück ins Private. Das betrifft nicht nur die Parteien, sondern auch die Gewerkschaften, Vereine und nicht zuletzt die Kirchen. Auf dieses Pro­blem gilt es eine Antwort zu finden, damit die Gesellschaft nicht auf Dauer zerfällt.

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