Einfach nur Panik

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Über den Rücktritt der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles wird viel diskutiert. Vom brutalen Umgang miteinander in der Partei ist die Rede und auch von Frauenfeindlichkeit in der SPD. Doch letztlich ist das Geschehen innerhalb der Sozialdemokratie einfach nur die pure Panik.

Foto: Antje Schröter / pixelio

 

Der Niedergang der „alten Tante“ SPD hat schließlich schon unter Gerhard Schröder begonnen. Der „Genosse der Bosse“ hat viele Menschen aus der sozialdemokratischen Stammwählerschaft verprellt. Davon hat sich die Partei bis heute nicht erholt. Und sie hatte auch seit Schröders Wahlniederlage im Jahr 2005 nie den Mut, sich klar von der Politik des Altkanzlers zu distanzieren. Stattdessen wurden die panischen Reaktionen immer stärker. Allein seit Schröders Rückzug haben die Sozialdemokraten neun Parteivorsitzende verschlissen.

Dieses spezielle SPD-Problem wird durch die Abwanderung der Wählerinnen und Wähler von den beiden Volksparteien noch verschärft. Jüngere Menschen haben nicht mehr die enge Bindung an eine Partei wie ihre Eltern oder Großeltern. Die Bürger machen zunehmend ihre Wahlentscheidung von einzelnen Sachthemen abhängig, wie es bei der Europawahl der Klimaschutz war. Das führt zu einer Veränderung der Parteienlandschaft.

Nicht nur die SPD, sondern auch die Union hat darauf bisher keine Antwort gefunden. Neuwahlen, die in der jetzigen Situation geboten wären, scheuen beide. Denn die Umfragewerte für CDU/CSU und SPD sind im Keller. So klammern sich die beiden ehemaligen Volksparteien verzweifelt an die Macht. Ob das ihre Position bei den Wählerinnen und Wählern dauerhaft stärkt, darf jedoch bezweifelt werden. Denn Angst ist immer ein schlechter Ratgeber.

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