Ein Besuch per Telefon

Malteserruf kämpft gegen Vereinsamung von Senioren / Leiterin Inge Gronau geht in den Ruhestand

Dortmund. Ein Mann lag seit 2015 leblos in seiner Wohnung. Niemand hat gemerkt, dass er längst tot war, niemand hat ihn vermisst, niemand hat sich um ihn in seinen letzten Lebensstunden gekümmert – Elke Gronau macht dies traurig und auch ein Stück weit wütend. Die Leiterin des Malteserrufes in Dortmund weiß, dass dieses Schicksal, über das vor Kurzem in den Medien berichtet wurde, kein Einzelfall ist. „Es gibt in Deutschland 16 Millionen Singles, viele davon sind ältere Menschen“, so Gronau. Damit diese nicht vereinsamen, entstand 2009 der Malteserruf als Pilotprojekt in sechs Städten, darunter auch Dortmund. Inge Gronau gehörte von Anfang an zum Team. Jetzt gibt sie die Leitung ab.

von Wolfgang Maas

Regelmäßig telefonieren Ehrenamtliche mit Menschen, die zu vereinsamen drohen. „Der Malteserruf ist 2009 entstanden, weil wir vom Malteser Hilfsdienst Aufzeichnungen gemacht haben“, erinnert sich Inge Gronau. Die Auswertung dieser Gespräche hat ergeben, dass sie „oft sozial initiiert waren. Die Leute wollten sagen: ‚Hallo, mich gibts noch!‘“, erklärt Inge Gronau. Um wirkliche medizinische Notfälle handelte es sich dabei nicht.

Genau um diese Zielgruppe – ältere Menschen, die zu vereinsamen drohen – kümmern sich die Ehrenamtler des Malteserrufes, die entsprechend geschult werden. Die eigentlichen Anrufe finden einmal in der Woche zu einem festen Zeitpunkt statt. „Meistens schellt das Telefon nur einmal, dann gehen die Leute schon dran.“ Sollte das nicht der Fall sein, versuchen es die Anrufer später noch einmal. Ist auch das erfolglos, dann kommt Inge Gronau ins Spiel. Im sogenannten Hintergrunddienst forscht sie nach, was mit dem Anzurufenden passiert ist. Ist er nur verreist und hat nicht Bescheid gesagt? Gab es bei dem Hausnotruf der Malteser vielleicht einen Notfalleinsatz unter dieser Adresse?

„Ich habe häufig Telefonnummern von Angehörigen oder Nachbarn, die ich dann kontaktiere.“ In aller Regel reiche dies schon aus, um Licht in die Sache zu bringen. Doch wenn auf diesem Wege nichts herauszubekommen ist, setzt sich Inge Gronau ins Auto und fährt zu der Adresse des Anzurufenden. Bisher habe es in all den Jahren aber nur einen Fall gegeben, wo dem Anzurufenden tatsächlich etwas Schlimmes zugestoßen ist.

Wichtig ist, dass alle ehrenamtlichen Mitarbeiter mit unterdrückter Nummer anrufen. Persönlich sehen sich alle nur bei den regelmäßigen Jahreszeitenfesten. Ansonsten sollen sich die Anrufer vor jedem Telefonat fragen: „Bin ich heute in der Lage dazu?“ Denn ältere Menschen können auch schwierig werden oder ein Gespräch in die Länge ziehen.

Die Ehrenamtler lernen deshalb – höflich, aber bestimmt – zu sagen, wenn das Gegenüber verletzend wird oder ein Thema unangemessen ist. Denn prinzipiell darf zwar über „Gott und die Welt“ gesprochen werden, aber alles hat eben seine Grenzen. Geschmacklose Zoten oder gar Beschimpfungen müssen die Mitarbeiter der Malteser auf keinen Fall erdulden. „Wir sind auch kein Krisentelefon“, stellt Inge Gronau klar. Das sei die Aufgabe der Telefonseelsorge. Einmal im Monat gibt es auch ein Treffen, das der Reflexion dient.

Längst ist der Malteserruf eine feste Einrichtung in 16 Städten bundesweit geworden. Zu den Klienten, die angerufen werden, gehören mittlerweile sogar ehemalige Anrufer. „Wir telefonieren möglichst bis zum Schluss“, betont Inge Gronau, deren Nachfolge geregelt ist. Wer mithelfen will, muss Einfühlungsvermögen mitbringen – und natürlich gerne telefonieren.

Info:

Der Malteserruf ist weiterhin auf der Suche nach Männern und Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren und Menschen anrufen wollen. Die nächsten Informationsveranstaltungen sind am Montag, 23. April, sowie am Donnerstag, 12. Juli, jeweils zwischen 18.00 und 19.00 Uhr. Interessenten können sich an den Malteser Hilfsdienst, Amalienstraße 21, 44137 Dortmund (Klinikviertel) wenden (Telefon: 02 31/8 63 29 02). Informationen gibt es auch im Internet unter: www.malteser-hospizdienste-dortmund.de

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