„Der Markt wird das nicht regeln“

Ökumenischer Gottesdienst zum Tag der Arbeit beschäftigt sich mit der Arbeitslosigkeit

Zum traditionellen Gottesdienst vor dem 1. Mai hatten die evangelische und katholische Kirche gemeinsam mit dem DGB eingeladen. Foto: Schütze

 

Dortmund. Gesellschaftliche Gestaltungsregeln zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit fordert Jutta Reiter, Vorsitzende des DGB in Dortmund. „Der Markt wird das nicht regeln“, sagte Reiter beim ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Arbeit in der Dortmunder Stadtkirche St. Petri. Um das Thema der Arbeitslosigkeit ging es bei dem Gottesdienst, zu dem der evangelische Kirchenkreis gemeinsam mit der katholischen Stadtkirche und dem DGB eingeladen hatte.

Für die DGB-Vorsitzende ist Deutschland „ein reiches Land, das nicht gewillt ist, Jobs zu schaffen“. Von dem Spruch des „Förderns und Forderns“ sei nur das Fordern übrig geblieben. Beim Thema Hartz IV warf sie den Verantwortlichen vor, die Regelsätze „politisch motiviert kleinzurechnen“. Dadurch würde die soziale Teilhabe von Familien und Kindern verhindert. Reiter forderte armutsfeste Existenzminimumssätze und unterstützte die Forderung nach einem Sozialticket.

Auch Pfarrer Michael Vogt, stellvertretender Stadtdechant der katholischen Kirche, wünschte sich eine politische Verantwortung, in der nicht der Markt die höchste Norm ist, sondern das Wohl der Menschen.

Friedrich Stiller, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Kirchenkreis, wies in seiner Predigt darauf hin, dass laut einer Umfrage 40 Prozent der Bevölkerung glaubten, Arbeitslose würden nicht ernsthaft nach einer Arbeitsstelle suchen. „Zu viele sind schlecht informiert und zu viele pflegen ihre Vorurteile weiter.“

Uwe Lagoda, Langzeitarbeitsloser seit 16 Jahren, versuchte, solche Meinungen zu korrigieren. Der gelernte Krankenpfleger konnte aufgrund einer chronischen Erkrankung seinem Beruf nicht mehr nachgehen. Heute lebt der 64-Jährige von der Grundsicherung.

Als ehrenamtlich Engagierter in der Suppenküche Kana und im Gast-Haus kenne er viele, die ein ähnliches Schicksal haben. „Sie trauen sich nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, weil sie es als persönliches Versagen empfinden.“ In Wirklichkeit, so kommentierte Jutta Reiter, sei das ein „gesellschaftliches Versagen auf der ganzen Linie“.

Pfarrer Friedrich Stiller erinnerte an das Sozialwort der beiden christlichen Kirchen, in dem die „Option für die Armen“ festgeschrieben sei. „Teilen ist natürlich, Arbeitslose verdienen unsere Solidarität“, heißt eine Plakatkampagne, die im Gottesdienst vorgestellt wurde.

Die beiden Kirchen und der DGB haben sie gemeinsam mit dem Verein Arbeitslosenzentrum und dem Netzwerk gegen Armut entwickelt. „Wir hoffen“, wünschte Pfarrer Stiller, „dass die Plakate bald in vielen Büros, am Schwarzen Brett des Betriebsrates oder in Schaukästen der Gemeinden zu sehen sind.“

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