Der gerechte Lohn

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Während der Osterfeiertage ist eine neue Debatte über Hartz IV entbrannt. Die SPD möchte dieses ungeliebte Gesetz, das ihr einst von Gerhard Schröder aufs Auge gedrückt wurde, gerne loswerden. Aus den Reihen der Kirchen hält die Kritik an der Höhe der Hartz-Sätze an. Und selbst in der CDU gibt es mittlerweile Stimmen, die das Gesetz als „Geschichte“ bezeichnen.

Foto: Rainer Sturm / pixelio

 

Zunächst einmal ist es ein Unding, dass das deutsche Sozialgesetz nach einem Mann benannt worden ist, der im Zusammenhang mit der VW-Affäre im Jahr 2007 wegen Untreue und Begünstigung rechtskräftig verurteilt wurde. Aber im Grunde genommen ist dies auch ein deutliches Zeichen. Manager, die mit Firmengeldern nur so um sich warfen und sich und ihre Freunde begünstigten, haben festgelegt, mit wie wenig Geld „die unten“ auskommen müssen. Doch Hartz IV reicht eben nicht zum Leben.

Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht genug, möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen. Denn oftmals lohnt die Annahme einer Arbeitsstelle nicht, weil unterm Strich nicht viel mehr als die Höhe von Hartz IV übrig bleibt.

Im Katechismus der katholischen Kirche heißt es, dass ein Mensch sich und seine Familie vom Arbeitslohn gut ernähren können muss. Davon sind wir in Deutschland mittlerweile häufig weit entfernt. Denn der Mindestlohn ist für ein normales Leben mit Familie nicht ausreichend.

Wenn man also Hartz IV jetzt reformieren will, dann muss dazu auch eine neue Lohnstruktur gehören. Das jetzige Gehaltsgefälle zwischen Managern und Arbeitern wird in der Bevölkerung nicht akzeptiert. Der Zusammenhalt der Gesellschaft, zu dem viele Bischöfe an Ostern aufgerufen haben, hängt auch davon ab, wie gerecht unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem künftig empfunden wird.

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