Ausverkauf nach fast 100 Jahren

Die Vincentinerinnen verlassen das „Hospital zum Heiligen Geist“ und lösen zuvor den Hausstand auf

Bad Lippspringe. Das Inte­resse war groß, als die Vincentinerinnen am vergangenen Wochenende zum Flohmarkt in das „Hospital zum Heiligen Geist“ im Bad Lippspringe eingeladen hatten. In den Schwestern löste der Andrang der Schau- und Kauflustigen zwiespältige Gefühle aus, denn der Anlass war traurig. Auf dem Flohmarkt wurde der Hausstand des Hauses verkauft. Ende des Jahres verlassen die Schwestern nach fast 100 Jahren das „Hospital zum Heiligen Geist“.

Schwester Cäcilie vor den langen Tischreihen mit allem, was mal zum „Hospital zum Heiligen Geist“ gehörte. Foto: Karl-Martin Flüter

 

von Karl-Martin Flüter

Die Käufer schlenderten durch Flure und lange Tischreihen mit Sesseln und Stühlen, Tellern, Gläsern, Tüchern, Büromaterialien und Vasen und was sonst noch zusammenkommt, wenn viele Menschen in einem Gebäude über lange Zeit zusammenleben und -arbeiten.

„Ein richtiger Tumult“ sei vor allem in der ersten Stunde nach der Öffnung des Flohmarktes entstanden, berichtete Hausleiterin Schwester Cäcilie Müller. An der Kasse bildete sich zeitweilig ein langer Rückstau. In den Stunden danach entspannte sich die Lage, dennoch kamen den ganzen Samstag und Sonntag Kauflustige und Neugierige in das historische Gebäude am Rand der Senne, das in einem acht Hektar großen Park liegt.

1925 wurde der Grundstein für das Hospital gelegt, das anfänglich Schwestern aufnahm, die sich bei ihrer Arbeit mit TBC infiziert hatten. Später wurde das Haus zu einem Wohnsitz für ältere Schwestern umgewandelt. Weil auch die Kongregation der Vincentinerinnen immer weniger Schwestern zählt, wurde der Besitz unwirtschaftlich. Ende 2017 wurde bekannt, dass das Zentrum für Gesundheit Bad Lippspringe (MZG) die Immobilie gekauft hat und ab 2019 dort eine Rehaklinik einrichtet. Im Mai nahmen die Vincentinerinnen zusammen mit Erzbischof Becker während einer Wallfahrt Abschied vom „Hospital zum Heiligen Geist“.

Die meisten Schwestern sind schon in Altenheime der Kongregation oder ins Mutterhaus umgezogen. Sechs Schwestern werden bis Ende des Jahres den Übergang vorbereiten. Dann ziehen sie in einen neuen Konvent im St.-Josefs-­Krankenhaus Salzkotten um.

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