Aufstand der Alten?

Geistlicher Glaubensimpuls

Manchmal, wenn man so über alles nachdenkt, über die Kirche, über die Gemeinden, dann kommt ein seltsamer Gedanke in einem hoch, von dem man nicht genau weiß, ob man ihn fürchten soll oder nicht: der Gedanke vom Aufstand der Alten.

von Claudia Auffenberg

Was würde wohl passieren, wenn die, die noch gelernt haben, warum sie auf Erden sind, die noch sonntags in die Kirche gehen, die aber ihren Enkeln kaum verdenken können, dass die nicht mehr gehen, was würde passieren, wenn die sich zusammentun?

Der Beruf bringt es mit sich, dass man gelegentlich mit solchen Menschen ins Gespräch kommt. Und dann hört man, wie es ihnen geht mit ihrer Kirche, ihrem Glauben, mit ihrem Gott. Und man muss ehrlich sagen: Nicht allen geht es gut. Die einen sind noch ratlos, die anderen schon wütend. Sie plagen sich mit dem Gefühl, irgendwie mit leeren Händen dazustehen. Schon früher haben sie geahnt, dass manches von dem, was ihnen in der Kirche erzählt wurde, nicht stimmt, aber sie haben nicht gefragt, weil man damals nicht fragte.

Heute würden sie fragen, aber es ist niemand da, der die Fragen hört. Oder hören will.

Und je älter Menschen werden, desto drängender, weil existenzieller, werden die Fragen nach Gott und seiner Verheißung. Und dann bricht manchmal die Wut aus diesen Leuten und als Mensch mittleren Alters ist man in solchen Momenten irgendwie ratlos, weil man in einer anderen Welt groß geworden ist und weil man doch überhaupt nur deshalb in der Kirche ist, weil die heute Alten einen mitgenommen haben. Von Kränkungen im Beichtstuhl oder Ähnlichem haben sie lange nichts erzählt und wenn, dann hat man das als Anekdote aus kauzigen, längst vergangenen Zeiten abgetan und in die Kategorie „Don Camillo“ abgelegt. Jedenfalls hat man nicht geahnt, wie tief der Schmerz sitzt.

Was also würde passieren, wenn es zu einem Aufstand der Alten käme? Müsste man den fürchten oder eher nicht?

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